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Etikette in Japan


Autor dieses Artikels ist Miya!

Auch für Japan gilt: andere Länder, andere Sitten.

Welche Umgangsformen in Japan gebräuchlich sind, was man bei einem Besuch in Japan beachten sollte und welche Fettnäpfchen man besser auslassen sollte, das habe ich hier einmal zusammengestellt. (Ergänzungen oder Korrekturen sind erbetten ^~)
"Isshindenshin" (wortlose Kommunikation)

... ist ein japanisches Verhaltensideal. Dabei sollen die anderen die eigenen Wünsche und Absichten "erfühlen" - und gilt es als grob und primitiv, seine Gefühle mit Worten auszudrücken. "Die beste Art sich zu verständigen, ist die ohne Worte", was natürlich nicht immer erreichbar ist, man aber gerade bei älteren Ehepaaren oft beobachten kann. Ohnehin sind viele Japaner wahre Meister der wortlosen Kommunikation. Beneidenswert... .__.


Typisch japanische Gesten

Jedes Volk entwickelt seine eigenen Gesten, die von Außenstehenden jedoch nicht immer verstanden werden - da machen auch die Japaner keine Ausnahme. Zum besseren Verständnis, hier einige "typisch japanischen" Gesten:

- Möchte man seine Zustimmung ausdrücken, so tut man dies durch ein Kopfnicken; Verneinung oder Ablenhnung wird durch Wedeln mit der rechten Hand vor dem Gesicht ausgedrückt.

- Mit der Handfläche nach unten winkt man jemanden herbei.

- Mit der Hand vor dem Mund drücken Frauen ihre Verlegenheit aus, wollen dabei aber auch nicht ordinär wirken - deshalb verdecken sie den Mund, wenn sie lachen müssen. Diese Geste verstärkt noch ein verlegenes oder schamhaftes Lächeln.

- Verschränkte Arme bedeuten, dass die Person scharf nachdenkt. Ziehen Männer Luft durch die Zähne ein, heißt dies ebenfalls, dass sie nachdenken oder mit einer Antwort zögern. Frauen legen in einer solchen Situation den Zeigefinger an die Backe (und sagen dazu etwa: "So desu ne" = "So ist das also")

- Wenn ein Mann verlegen ist, fasst er sich an den Kopf oder kratzt sich dort, eine Frau stützt hingegen den Kopf auf das Kinn.

- Geht man zwischen Menschen hindurch (besonders auch zwischen Sitzenden), bewegt man die Hand, als "schneide" man den Weg frei und entschuldigt sich dabei etwa mit "chotto, sumi-masen..."

- Deutet man mit Hilfe der ausgestreckten Zeigefinger am Kopf Hörner an, ist damit gemeint, dass jemand ärgerlich ist. Kreuzt man hingegen beide Zeigefinger, bedeutet dies, dass bestimmte Personen einen Streit ausfechten.

- Hebt ein Japaner seinen Daumen hoch, meint er damit "Mann". Wird der kleine Finger hochgehoben, bedeutet dies "Frau"

- Wenn man ausdrücken möchte, dass eine Person, von der man spricht, dumm oder verrückt ("pa") ist, kreist man mit dem Zeigefinger an einer Kopfseite im Uhrzeigersinn ein paar Mal herum, macht dann eine Faust, öffnet sie schnell und sagt "kuru, kuru pa" @__@

- Daneben gibt es auch verschiedene Arten des Lächelns und Lachens, die alle ihre ureigenen charakteristischen Namen haben. Nicht zu vergessen ist hierbei das Lachen nach Art der 5 Vokale (a, e, i, o, u) -
  • A = "wa-ha-ha" - nur unter Männern übliches, großes Gelächter ("o-warai")
  • E = "e-he-he" - verlegenes oder schmeichelndes Lachen ("tere-warai" oder "oseji-warai")
  • I = "i-hi-hi" - etwas boshaftes Lachen, Glucksen
  • O = "o-ho-ho" - generelles Frauenlachen ("taka-warai")
  • U = "u-hu-hu" - verborgen gehaltenes Lachen ("shinobi-warai")

Umgangsformen im Alltag

- Pünktlichkeit ist in Japan eine Natürlichkeit. Japaner sind immer pünktlich - weder zu spät, noch zu früh.

- Zeigt man auf eine Person, wird dabei die ganze Hand benutzt und nicht nur ein Finger... ^^' Möchte ein Japaner hingegen auf sich selbst deuten, zeigt er mit dem Finger auf seine Nase.

- Körperlicher Kontakt wird für gewöhnlich vermieden - also nichts da, mit Händeschlag oder Begrüßungskuss! Insbesondere das Küssen in der Öffentlichkeit ist in Japan absolut verpönt - und auch öffentliches Naseputzen stößt hier viel mehr auf Unverständnis. Man bevorzugt es eher, geräuschvoll die Nase hochziehen ôO

- 'Ladies first' ist den Japanern gänzlich unbekannt.

- "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" - dieses Sprichwort findet in Japan großen Anklang. Gerade bei heiklen Themen sollte man lieber nicht penetrant nachbohren oder drängeln, manches versteht man auch so.


... zu Besuch

- Beim Betreten eines Hauses ist es in Japan generell üblich, seine Straßenschuhe abzulegen, damit Räume, welche mit Tatami-Matten ausgelegt sind, nicht beschmutzt oder beschädigt werden. Deswegen sollte man bei Hausbesuchen darauf achten, saubere Socken (möglichst ohne Löcher xD) zu tragen. Vor der Toilette liegen gewöhnlich Toilettenschlappen aus, die man unbedingt benutzen sollte - allerdings ausschließlich in der Toilette!

- Kleine Mitbringsel ("Temiyage") für den Gastgeber, z.B. Snacks, japanische Süssigkeiten, Wein oder Sake, werden in Japan als höflich angesehen. Man sollte allerdings lieber auf allzu teure Geschenke verzichten, da dies den Beschenkten in eine Art "Zugzwang" versetzt.

- Bei Geschenken ist zudem zu beachten, dass diese mit beiden Händen übergeben oder in Empfang genohmen werden. Die Höflichkeit gebietet es, das Geschenk zunächst zur Seite zu legen und nicht(!) vor den Augen des "Schenkers" zu öffnen. Das erspart einem nicht zuletzt ein gequältes Lächeln, sollte das Erhaltene doch nicht ganz passend ausgewählt worden sein... ^^'

- Je nach Anlass werden Geschenke auch entsprechend verpackt. In Japan legt man oftmals mehr Wert auf die Verpackung als auf das Geschenk selbst. Zwar benutzt man hier fast immer weißes Papier, unterscheidet jedoch die Farbe des verwendeten Geschenkbandes (weiß, gold, silber oder schwarz) und auch die Art und Weise, wie das Papier gefaltet wurde.

- Noch etwas, das man bei Geschenken beachten sollte: Es gibt verschiedene "Geschenk-Arten". "Oseibo" und "Ochugen" sind Geschenke, die im Dezember vor Neujahr und im Juni vor Obon überreicht werden (es gilt: Oseibo im Winter - Ochugen im Sommer). Verschenkt werden zumeist Lebensmittel im Wert um die 5.000 Yen. "Temiyage" und "Omiyage" sind in etwa mit Gastgeschenken und Souvenirs zu vergleichen. Ist man eingeladen, überbringt man ein Temiyage (siehe auch oben) - geht man auf Reisen, sollte man Freunden, Verwandten oder Arbeitskollegen Omiyage mitbringen, z.B. Süssigkeiten aus der bereisten Gegend (niemand erwartet große Geschenke, Kleinigkeiten genügen hier schon)

- Es gilt ebenso als höflich, den Gast bis an die Tür zu begleiten - und das nicht nur privat, sondern auch im Büro.


... beim Essen ~___~

- "Itadakimasu" ist eine Formel, die man zu Beginn eines Essens in Gesellschaft spricht und soviel wie "ich nehme" bedeutet. Am Ende der Mahlzeit sagt man "gochisosama deshita", das sich mit der Form "Das Essen, das wir bekommen haben, war köstlich und reichhaltig" übersetzen lässt.

- Sehr wichtig: Niemals die Stäbchen in den Reis hineinstecken! Dies ist Teil einer Beerdigungszeremonie und absolut unangebracht. Wenn man seine Stäbchen ablegen möchte, kann man dies mit Hilfe des Hashioki (Stäbchenhalter) tun oder die Stäbchen auf dem Papier, in dem sie serviert wurden, ablegen. Es ist zudem ebenso unangebracht, etwas zu nehmen, was ein anderer in den Stäbchen hält. Man spießt auch nichts mit Stäbchen auf... selbst, wenn es für manchen noch so verlockend erscheinen mag =)

- Es ist in Japan üblich, Nudeln laut schlürfend aus der Suppe anzusaugen, da diese sonst nicht ihr volles Aroma entfalten. Wundert euch also nicht, wenn ein lautes "Slurp, Slurp" im Restaurant ertönt. Die Aussage, dass Japaner beim Essen grundsätzlich schlürfen oder sonstige laute Geräusche verursachen, ist dagegen nur üble Nachrede.

- Bitte keine Soja-Soße über den Reis kippen! Dies gilt zumindest in Restaurants oder bei Einladungen.

- "Trinken gehen" beinhaltet gleichzeitig auch ein Essen. In japanischen Trinkhallen ist es Pflicht, mindestens ein Essen zu bestellen. In den meisten Restaurants ist es zudem üblich, dass man vor dem Essen ein "Oshibori" bekommt; dies ist ein (manchmal) sehr heißes und (immer) nasses Tuch, mit dem man sich reinigen kann.

- Es gilt als sehr unhöflich, sich selbst einzuschenken - dies sehen aber gerade junge Japaner nicht mehr soo eng... ^__~
Ein Tipp: Man schenkt zunächst den anderen ein und wartet dann geduldig, bis einem selbst eingeschenkt wird.

- Füllt eine höhergestellte Person einem Untergeben das Glas, so gebietet es die Höflickeit, dieses in einem Zug zu leeren.

- Die Rechnung begleicht zumeist der Ranghöchste, unter Freunden teilt man sich die Rechnung. Eigentlich mögen Japaner es nicht gern, über Geld überflüssig zu diskutieren oder gar zu streiten. Es kann aber dennoch vorkommen, dass nach dem Essen ein Streit darüber ausbricht, wer nun die Rechnung bezahlen darf, wobei man zumindest einmal den Versuch unternehmen sollte, an dieses Privileg zu gelangen, und anbieten sollte, die Rechnung zu übernehmen (auch, wenn man es im Nachhinein vielleicht doch nicht tun muss und ein anderer bezahlt)

- Trinkgeld zu geben ist in Japan unüblich und wird nicht akzeptiert; es führt allenfalls zu Verwirrung.

- Aufgepasst, wenn jemand plötzlich "Tsugi e Ikou" ("Gehen wir zum Nächsten" = zum nächsten Lokal) ruft. Hierauf bricht die gesamte Gruppe sofort auf, lässt oft sogar die Getränke unausgetrunken stehen und verlässt das Lokal. Es wird als selbstverständlich angesehen, dass alle mitgehen, da dies nicht zuletzt den Gruppengeist fördert. Auch unter Frauen ist dieses plötzliche Aufbrechen, "Hashigozake" genannt, nicht unbeliebt.


1 Comments

dieses generelle Frauenlachen macht mir angst...